Die qualifizierte, professionelle psychotherapeutische Arbeit unserer KollegInnen ist als spezifischer und eigenständiger Behandlungsbeitrag im Gesundheitswesen neben der ärztlichen Versorgung nicht mehr wegzudenken.
Viele KollegInnen haben sich in der Praxis oder in Institutionen sehr gut etabliert, bundesländerspezifisch finden wir jedoch sowohl in der niedergelassenen Praxis als auch im Angestelltenverhältnis sehr unterschiedliche Arbeitsbedingungen vor. Im städtischen Bereich, insbesondere in Wien, hat die Finanzierungsverknappung durch die Kassen zu einer ungesunden, teilweise sogar existenzbedrohlichen Verschärfung der Konkurrenzsituation geführt. Die Krankenkassen müssen weiterhin vehement darauf aufmerksam gemacht werden, dass Psychotherapie als Kassenleistung mittlerweile eigentlich selbstverständlich sein sollte, und zur Sicherung der psychotherapeutischen Versorgung ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen.
Mittlerweile sind der Berufsgruppe die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Vertragslösungen bewusst, und wir haben daraus gelernt:
Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung, erleichterter Zugang für sozial benachteiligte PatientInnen, Aufwertung der psychotherapeutischen Behandlung im öffentlichen Bewusstsein, mancherorts aber auch fachlich nicht vertretbare Rahmenbedingungen (Antragsverfahren, sogenannte Erfahrungsnachweise, bürokratische Hürden etc.), Spaltung der Berufsgruppe, undurchsichtige Vertragszuteilung, Dumping-Tarife, Austrocknen der Praxis der nichtvertraglich gebundenen PsychotherapeutInnen besonders in Wien. Verhandlungen mit den Kassen hinter dem Rücken der ÖBVP-Entscheidungsgremien.
Mit diesen Erfahrungen im Gepäck sollte es den ÖBVP-FunktionärInnen mit vereinten Kräften gelingen, Partikularinteressen hintanzustellen und sich dafür einzusetzen, dass der ÖBVP und seine Landesverbände so viel Einfluss und Kontrolle wie möglich gegenüber den Kassen-Versorgungsvereinen gewinnen, und die Verhandlungen mit den Kassen künftig wieder ausschließlich mit dem ÖBVP geführt werden.
Eine nachhaltige und langfristige Verbesserung der Situation wird aber nur ein fairer Gesamtvertrag für Psychotherapie bringen. Das öffentliche Bewusstsein hat in diesem Fall für uns gearbeitet, so dass wir wieder mit Gesamtvertragsverhandlungen starten wollen.
Psychotherapie in der Öffentlichkeit
Es sollte uns verstärkt gelingen, die Medien als Verbündete und als Vermittler zwischen uns als Berufsvertretung und den „KonsumentInnen“ zu gewinnen. Es ist unser Ziel, so oft wie möglich zur Psychotherapie, aber auch zu gesellschaftspolitischen Themen das Wort zu ergreifen, um so das öffentliche Bewusstsein für die Psychotherapie als Behandlungsmethode und die Psychotherapie in ihrer politischen Dimension und Potenz noch besser bekannt zu machen. Besonderer Stellenwert kommt dabei der Entstigmatisierung psychischen Leids zu.
Die Punkte im Einzelnen: