ÖBVP - Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie

Berufspolitik

Stand der Psychotherapie in Österreich

Der Kostenzuschuss der Gebietskrankenkassen für eine Psychotherapie-Einzelsitzung beträgt seit 1.9.2018 € 28,-.
Neben den Zuschüssen gibt es stark kontingentierte vollfinanzierte Plätze ("Sachleistungen") – umgangssprachlich auch "Psychotherapie auf Krankenschein" genannt. Dabei bezahlt die PatientIn bei der PsychotherapeutIn nichts, die Psychotherapiekosten werden von der TherapeutIn über Versorgungsvereine mit den Sozialversicherungen abgerechnet. Die Honorare sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ebenso von Versicherung zu Versicherung, aber jedenfalls deutlich unter den üblichen Stundensätzen.

Eine Vereinheitlichung der Strukturen in allen Bundesländern ist derzeit zwischen der Bundesregierung und der Sozialversicherung in Verhandlung. Eine allgemeine Zuschusserhöhung auf € 40 ist ein Verhandlungsziel des ÖBVP. Schon 2014 erfolgte die Erhöhung des Zuschusses auf € 40 durch die BVA (Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter).

Aufgrund der einschränkenden Zuteilung nach diagnostischen (hoher Schweregrad der Störung) und/oder sozialen Kriterien (Einkommen und Funktionsniveau) und dem de-facto-Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" - entstehen für PatientInnen unzumutbare Wartezeiten auf einen Sachleistungsplatz. In manchen Bundesländern gibt es bereits ab Jahresmitte keine Kassenstunden mehr.

Die Folgen

  • Krasse Unterversorgung im EU-weiten Vergleich. In Österreich stehen rund 0,8 Prozent der Bevölkerung in Psychotherapie, während sich in Deutschland und in der Schweiz etwa 3 Prozent der Bevölkerung in Behandlung befinden.
  • Krasse Versicherten-Ungleichbehandlung: Alle zahlen, aber nur wenige bekommen Psychotherapie auf Kassenkosten.
  • Laut AK-Studie 2012 volkswirtschaftliche Folgekosten von Nicht-Behandlung und lückenhafter Behandlungskonzepte in der Höhe von 3,3 Milliarden Euro.

Unser Anliegen

Erhöhung des Zuschusses für Psychotherapie auf 40 Euro durch alle Gebietskrankenkassen, inkl. Valorisierung.

Argumente für unser Anliegen

Psychische Erkrankungen verursachen Kosten in Milliardenhöhe

  • Die Folgekosten im Gesundheitssystem betragen derzeit 825 Mio. Euro pro Jahr (vgl. derzeit 21 Mio. Euro Zuschüsse für Psychotherapie).
  • Die Kosten für Unternehmen betragen 1,5 Mrd. Euro laut WIFO (9,4 % aller Krankenstandstage wegen psychischer Erkrankungen, Verdreifachung seit 1996).
  • Auch 35% der Neuzugänge zur Invaliditätspension sind durch psychische Erkrankungen verursacht (Tendenz steigend)

Wissenswertes

ÖBVP-Stellungnahme zur Parlamentarischen Anfrage Nr. 2828/J betr. psychische Erkrankungen in Österreich 2014 (PDF)

ÖBVP-Stellungnahme zur Parlamentarischen Anfrage Nr. 1798/J betr. Situation von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in der Schule 2014 (PDF)

ÖBVP-Positionspapier zur Begutachtung von (kassenfinanzierter) Psychotherapie durch die Krankenkassen - Zum psychotherapiefachlichen und rechtlichen State of the Art 2013 (PDF)

ÖBVP-Positionspapier zur Unterscheidung zwischen Psychotherapie und psychologischer Behandlung 2011 (PDF)

Die Situation in Zahlen

  • 900.000 ÖstereicherInnen nehmen das Gesundheitswesen wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch.
  • 840.000 Personen nehmen Psychopharmaka
  • Aber nur 35.000 Personen erhalten kassenfinanzierte Psychotherapie
  • 30.000 Personen finanzieren Psychotherapie aus der eigenen Tasche und erhalten den seit 1992 nicht wertangepassten Zuschuss von nur Euro 21,80.
  • 70.000 stationäre Aufenthalte
  • 78.000 Personen wegen psychischer Erkrankungen im Krankenstand
  • 3 % der Bevölkerung sind in einem schweren Ausmaß von psychischen Störungen betroffen.

Quelle: Sozialversicherungsträger (Versorgung psychisch Kranker, Juni 2011; Datenbasis 2009)