ÖBVP - Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie

Coronavirus - Informationen für Psychotherapeutinnen

Stand: 05. Mai 2020

Der ÖBVP weist alle KollegInnen auf Folgendes hin:

  • Alle psychotherapeutischen Behandlungen, die notwendigerweise via Internet oder Telefon nach den Regeln durchgeführt werden, die für die Standard-Psychotherapie in den Praxen gültig sind, werden in gleicher Form von den meisten Krankenkassen honoriert, als wenn diese Therapien in den Praxen durchgeführt worden wären.
    Diese Zusage gilt für die Zeit der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und stellt natürlich für die Zeit danach kein Präjudiz dar.
     
  • Grundsätzlich sind Sie nicht zu einer Schließung Ihrer psychotherapeutischen Praxis per Verordnung verpflichtet. Um aber eine weitere und vor allem schnellere Verbreitung des Coronavirus zu vermeiden und damit die Bevölkerung bestmöglich geschützt wird, sollten Sie möglichst auf Telearbeit (Telefon, Internet, Videotelefonie) umsteigen!
     
  • Die maßgeblichen Handlungsempfehlungen im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus des Gesundheitsministeriums (BMSGPK) zu beachten!
    BMSGPK-Fachinformationen für den Gesundheitsbereich

    Eine Anfrage wegen Desinfektionsmaterial und Schutzelemente an die ÖGK wurde vom ÖBVP bereits gestellt und wir werden über die Antwort informieren.
    Handlungsempfehlungen für niedergelassene nichtärztliche Gesundheitsberufe vom 29.04.2020 (PDF)
     
  • Die Meldungen in den Medien zu verfolgen und die Anordnungen der Bundesregierung zum Thema Schutz vor Verbreitung des Coronavirus in ihrer persönlichen Verantwortung zu befolgen und umzusetzen! BMSGPK-Website: Coronavirus - Aktuelle Maßnahmen

Psychotherapie über Internet/Telefon

Dem ÖBVP ist es gelungen bei den meisten Krankenkassen folgende Regelungen für die Zeit der Coronakrise zu erwirken:

"Alle psychotherapeutischen Behandlungen, die notwendigerweise via Internet oder Telefon nach den Regeln durchgeführt werden, die für die Standard-Psychotherapie in den Praxen gültig sind, werden in gleicher Form honoriert, als wenn diese Therapien in den Praxen durchgeführt worden wären.

Diese Zusage gilt für die Zeit der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und stellt natürlich für die Zeit danach kein Präjudiz dar."

Dies gilt bei:

  • ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse)
  • BVAEB (Versicherungsanstalt Öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau)
  • SVS (Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen)
  • KFA (Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien)
  • KFG (Kranken- und Unfallfürsorge für oö. Gemeinden) bietet inzwischen diese Möglichkeit an.

Einsatz von Onlinediensten während der Coronaviruskrise

Basis der Nutzung von Onlinediensten in der Psychotherapie ist die Internetrichtlinie des Gesundheitsministeriums (PDF).

Wir ersuchen um Verständnis, dass der ÖBVP keine Empfehlung für eine bestimmte Technologie abgibt.

  • Voraussetzung für ein verantwortliches psychotherapeutisches Handeln via Internet ist die ausreichende Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen dieses Mediums.
  • Im Sinne der Dokumentations- und Aufklärungspflicht ist es wichtig, die KlientInnen/PatientInnen zu Beginn der Therapieeinheit über die eingeschränkten Möglichkeiten, die PsychotherapeutInnen in der Kommunikation via Internet haben, aufzuklären.
  • Wird ein unverschlüsselter oder unsicherer Datenübertragungsdienst gewählt, ist eine Aufklärung über das diesbezügliche Risiko eines Zugriffs durch Dritte und letztlich das Einverständnis der PatientIn zur weiteren Therapieeinheit unter den vorhandenen Rahmenbedingungen notwendig.
  • Für den Fall technischer Probleme, sollte man während der Einheit auch telefonisch erreichbar sein.
  • Über die übliche psychotherapeutische Dokumentationspflicht hinaus, sind auch besondere Fakten und die Umstände zum Online-Gespräch (fachliche Begründung der Notwendigkeit, gewählter Internetdienst, Aufklärung etc.) zu dokumentieren.
  • Artikel Onlineberatung und -therapie in Zeiten der Krise. Ein Überblick, Stefan Kühne & Gerhard Hintenberger (PDF)

Nach oben

Verhalten in der psychotherapeutischen Praxis

Informationsaushang an der Praxistür

ÖBVP-Muster zum Aushang - 18. März 2020 (PDF)
Dies ist wichtig, damit PatientInnen mit akuten Symptomen die Praxis erst gar nicht betreten.

Hinweis! Das Infoblatt dürfen PsychotherapeutInnen nur an jene PatientInnen per E-Mail verschicken, die zuvor einer Kontaktaufnahme per E-Mail zugestimmt haben (die Datenschutzgrundverordnung ist durch die Corona-Krise NICHT außer Kraft gesetzt!)

In Ihrer Praxis

  • Verzichten Sie aufs Händeschütteln,
  • halten Sie ausreichend Taschentücher für die PatientInnen bereit,
  • halten Sie die empfohlene Distanz von mindestens 1 Meter ein,
  • ersuchen Sie PatientInnen in der Praxis um Einhaltung der Hygienemaßnahmen!

Infoblatt des BMSGPK zum Aufhängen in Ihrer Praxis

Hygienemaßnahmen

  • häufiges und gründliches Händewaschen,
  • Distanz zu anderen halten,
  • Gesicht nicht mit ungewaschenen Händen berühren,
  • beim Husten und Niesen die empfohlene Atemhygiene einhalten (Mund und Nase mit Ellenbogen oder Taschentuch bedeckt halten!)

24-Stunden-Hotline der AGES für Informationen: 0800 555 621

Wenn die PsychotherapeutIn selbst Symptome zeigt

  • Sagen Sie die vereinbarten Termine mit Ihren PatientInnen ab
  • Bleiben Sie daheim und rufen Sie die Hotline 1450

Nach oben

Datenschutz in der psychotherapeutischen Praxis

Im Verhältnis zum Datenschutz (DSGVO etc.) und psychotherapeutischer Verschwiegenheitspflicht gelten in Bezug auf das Coronavirus (COVID-19) die öffentliche Gesundheitspflege, der Schutz von Leib und Leben anderer Personen etc. als höherwertige Interessen und wird daher eine Einschränkung des Datenschutzes und/oder ein Bruch der Verschwiegenheitspflicht im minimal notwendigen Ausmaß gerechtfertigt sein, wenn die Eindämmung des Coronavirus anders nicht erreicht werden kann.

PatientInnen sollten jedoch nicht als "PatientInnen" bezeichnet werden (Verschwiegenheitspflicht so weit als möglich wahren!), sondern nur als Personen, mit denen man eben Kontakt gehabt hatte.

ÖBVP-Infoblatt Coronavirus und Datenschutz in der psychotherapeutischen freien Praxis (PDF)

Nach oben

Absage von Psychotherapiestunden durch die PatientIn

Für den Fall, dass PatientInnen bereits vereinbarte Stunden wegen der Corona-Krise absagen, verweist der ÖBVP darauf, dass Kulanz-Lösungen der einzelnen PsychotherapeutIn obliegen. Grundsätzlich verweisen wir auf die im Berufskodex des BMSGPK publizierten Empfehlungen zur 48-Stunden-Absageregelung (Seite 8).
Bieten Sie den PatientInnen als Alternative Psychotherapie via Telefon oder Internet an!

Nach oben

Finanzielle Einbußen abfedern

Im Falle einer Betriebsunterbrechung der PsychotherapeutIn wegen Erkrankung oder Quarantänemaßnahmen sollten Sie folgende Maßnahmen in Erwägung ziehen:

  • PsychotherapeutInnen sollten die Haftung im Rahmen einer Betriebsunterbrechnungsversicherung individuell mit ihrer VersicherungsvertreterIn überprüfen, ob Ausfälle abgedeckt sind.
     
  • Härtefallfonds: Im Nationalrat wurde beschlossen, dass dass sämtliche Kleinstunternehmen und damit etwa auch freiberuflich tätige Gesundheitsdienstleister finanzielle Unterstützung beantragen können. Eine Wirtschaftskammermitgliedschaft ist nicht Voraussetzung.

Unter den antragsberechtigten Gruppen sind auch die PsychotherapeutInnen.
Laut Arbeitsministerin wird der Antrag auch für "Nicht WKO-Mitglieder" bei der WKO (Wirtschaftskammer) beantragt/abgewickelt.Weitere Erklärungen sind auf dieser Seite zu finden: https://www.wko.at/service/haertefall-fonds-epu-kleinunternehmen.html

Wir empfehlen Ihnen, sich für den Newsletter der WKO zu den Hilfsmaßnahmen anzumelden.

Anträge: Ab Freitag, den 27.03.2020, 17 Uhr können unter wko.at/haertefall-fonds Mittel aus dem Härtefall-Fonds beantragt werden. Auf dieser Seite werden alle Informationen bereitgestellt, die Antragstellerinnen und Antragsteller benötigen.

Im Online-Antragsformular für den Härtefallfonds muss die KUR (Kennziffer Unternehmensregister) angegeben werden. Diese Kennziffer finden Sie im Unternehmensserviceportal (USP).

Ihre Praxisdaten wurden
- entweder 2019 aus FinanzOnline automatisch in das USP übernommen
- oder Sie können sich beim USP registrieren www.usp.gv.at
- bzw. Sie beantragen einen Eintrag ins Ergänzungsregister, um eine KUR zu erhalten https://www.bmdw.gv.at/Ministerium/DasBMDW/Stammzahlenregisterbehoerde/Ergaenzungsregister/Das-Ergaenzungsregister-für-natuerliche-Personen-.html

Derzeit läuft Phase 2 des Härtefall-Fonds mit neuen Kriterien.
Am 26.04.2020 wurden weitere Verbesserungen bei der Förderrichtlinie für den Härtefall-Fonds von der Bundesregierung angekündigt. Ab sofort ist ein Antrag nach der neuen Förderrichtlinie via https://www.wko.at/haertefall-fonds möglich.

Die sinnvollen, aber weit in unsere Berufsausübung und das Leben der Bevölkerung eingreifenden Verordnungen der Regierung verursachen für unsere KollegInnen in freien Praxen erhebliche finanzielle Einbußen.

Was Sie tun können, um finanzielle Einbußen abzufedern:

Nach oben

Mietzinszahlungen

Können psychotherapeutische Praxen die Miete aussetzen oder reduzieren, weil in der aktuellen Situation mangels Betrieb keine Nutzung möglich ist?

So lange Therapien nicht explizit in den Praxen untersagt sind, wird bis auf Weiteres allen PsychotherapeutInnen empfohlen, bei der Leistung von Mietzinszahlungen einen (am besten einschreibbrieflichen) Vorbehalt zu machen:

Ich/wir erkläre/n, dass wegen der Covid-19–Pandemie alle Mietzinszahlungen ohne Anerkenntnis und unter Vorbehalt der Rückforderung erfolgen.

Nach oben