ÖBVP - Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie

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Informationen

WAS TUN...wenn Ihnen die Krankenkasse die Zahlung oder Weiter-Zahlung des Zuschusses zur psychotherapeutischen Behandlung verweigert? (PDF)

Beschwerde-Vordruck für PsychotherapeutInnen (PDF)

NÖLP Aktuelles
Ergebnis der der NÖLP-Mitgliederumfrage "Psychotherapie in der Corona-Krise"

Liebe Mitglieder!

Vielen Dank, dass ihr euch so zahlreich an unserer Umfrage beteiligt habt! Obwohl die Teilnahme nur eine Woche (von 8.4. bis 15.4.) möglich war, haben 274 von 497 Mitglieder mitgemacht, das sind sensationelle 55%! Damit haben wir auch ein sehr valides Ergebnis.
Was uns sehr freut ist, dass sich 96% unserer Mitglieder vom Berufsverband gut betreut fühlen. Viele Mitglieder wünschen sich dennoch von uns mehr Öffentlichkeitarbeit (14%), mehr vollfinanzierte Psychotherapieplätze (12%), Masken und Desinfektionsmittel (11%), Vereinheitlichung der Zuschüsse bzw. Kassentarife (10%) und 6% wünschen sich einen Gesamtvertrag.

Was hat die Studie weiter gezeigt?
Fast 70% aller KollegInnen arbeiten ausschließlich in freier Praxis, nur 3% ausschließlich in einer Institution. Rund 30% haben ihr Setting aufgrund der Coronakrise nicht verändert, sie arbeiten nach wie vor in direktem Kontakt in freier Praxis, 12% aus finanzieller Not, 17% lehnen Video- und Telefon als Therapieangebot ab, nur 3% fehlen dafür die technischen Voraussetzungen, 15% arbeiten mit immobilen PatientInnen bzw. machen Hausbesuche, 16% arbeiten mit Kindern, 8% mit kognitiv beeinträchtigte PatientInnen.

Fast 90% bieten Video- bzw Telefontherapie an, das ist erstaunlich hoch. Das am meisten eingesetzte Medium ist das Telefon (90%), bei Videotelefonieprogrammen liegt Skype (43%) vor Zoom (35%). WhatsApp, Signal und Therapsy werden je von über 10% verwendet.

45% der KollegInnen arbeiten normaler Weise zwischen 6-15 Wochenstunden, 17% weniger und 38% mehr. In der Coronakrise hat sich das Bild deutlich verändert: Jetzt arbeiten 46% nur mehr 1-5 Wochenstunden, 26% zwischen 6-10 Stunden, nur 19% mehr und 10% gar nicht. Hier zeigen sich deutlich die finanziellen Einbußen, die unsere Berufsgruppe zurzeit erleidet.

Nur 25% der KollegInnen können derzeit einen Kassenplatz anbieten, wohingegen 57% gern einen Kassenplatz anbieten möchten. Das bedeutet, dass in NÖ zusätzliche 32% (oder rund 160 PsychotherapeutInnen) zur Verfügung stünden. Hier zeigt sich, dass die Krankenkasse ein Nadelöhr zu Lasten der PatientInnen schafft, obwohl das Potential vorhanden wäre. Dadurch kommt es nach wie vor in manchen NÖ Bezirken zu Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr. Ein Missstand, den wir seit vielen Jahren kritisieren.

Hier geht es zum Ergebnis (PDF)

2019

Landtagsantrag zu Gesamtvertrag einstimmig beschlossen

In der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause am 26.6.2019 hat der NÖ Landtag folgenden Resolutionsantrag beschlossen:

"Die Landesregierung wird aufgefordert, an die Bundesregierung heranzutreten und sich bei dieser für die Schaffung eines Gesamtvertrages für Psychotherapie mit dem Österreichischen Berufsverband für Psychotherapie unter Berücksichtigung bereits implementierter qualitätsgesicherter Lösungen einzusetzen. Ziel ist es, eine bundesweit einheitliche, flächendeckende, psychotherapeutische Versorgung im Sinne der Antragsbegründung zu etablieren, die eine adäquate Betreuung und Begleitung der betroffenen PatientInnen sicherstellen kann."

Dieser Antrag wurde von der Grünen-Abgeordneten Mag. Silvia Moser eingebracht und von allen NÖ Parteien EINSTIMMIG angenommen. Unsere intensive, langjährige Lobbyingarbeit trägt Früchte!

Resolutionsantrag im NÖ Landtag von 26.6.2019

NÖLP-Stellungnahme zu geplanter Gesetzesänderung der Verschwiegenheitspflicht im Psychotherapiegesetz

Der NÖLP hat zur geplanten Änderung der psychotherapeutischen Verschwiegenheitspflicht im Entwurf des "Bundesgesetz, mit dem das Ärztegesetz 1998, das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz, das Hebammengesetz, das Kardiotechnikergesetz, das MTD-Gesetz, das Medizinische Assistenzberufe-Gesetz, das Medizinischer Masseur- und Heilmasseurgesetz, das Sanitätergesetz, das Zahnärztegesetz, das Musiktherapiegesetz, das Psychologengesetz 2013, das Psychotherapiegesetz, das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz und das Verbrechensopfergesetz geändert werden" eine Stellungnahme abgegeben.

Stellungnahme NÖLP

Richtlinien für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

Internetrichtlinie (PDF)

Verhalten in der Öffentlichkeit - Werberichtlinie (PDF)

Informationen für PsychotherapeutInnen um Gewaltschutzgesetz § 15 Psychotherapiegesetz regelt die Verschwiegenheits-, Mitteilungs- und Anzeigepflichten seit 30.10.2019 neu. Dabei hat der Gesetzgeber ein Maßnahmenbündel gegen Gewalt, insbesondere zum Schutz von Frauen und Kindern, beschlossen und für alle Gesundheits-berufe die Anzeige- und Mitteilungspflichten in den jeweiligen Berufsgesetzen vereinheitlicht. Erläuterungen des BMG dazu finden Sie hier:
BMG-Information zum Gewaltschutzgesetz (PDF)

Weitere wichtige Informationen und Richtlinien des BMGF finden Sie unter:
https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Medizin-und-Gesundheitsberufe/Berufe-A-bis-Z/Psychotherapeutin,-Psychotherapeut.html

Rückblick auf die Fachtagung "Gute Arbeit für wenig Geld"

Bericht von Maria Werni, MSc

Am 29.03.2019 fand die vierte Fachtagung der Kommission für Psychotherapie in Institutionen des ÖBVP (KPI) statt. Schwerpunkt der diesjährigen Veranstal­tung waren die Rehakliniken und die verschiedenen gültigen Kollektivverträge für angestellte PsychotherapeutInnen. Diesmal war die KPI zu Gast in Nieder­österreich und die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem NÖLP organisiert und durchgeführt. Das D&C Cityhotel in St. Pölten erwies sich für diese Tagung als hervorragender Veranstaltungsort. Rund 100 KollegInnen sind unserer Ein­ladung gefolgt und haben an der Tagung teilgenommen.

Was uns besonders gefreut hat, war, dass wir Ver­treterInnen der verschiedenen Parteien als Gäste begrüßen durften. So hielten Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig und Landtagsabgeordneter Anton Erber (in Vertretung für Landeshauptfrau Jo­hanna Mikl-Leitner) einleitende Begrüßungsworte. Im Publikum durften wir die Gesundheitssprecherin der Grünen, Silvia Moser, und die Gesundheitsspre­cherin der NEOs, Edith Kollermann, begrüßen, die an diesem Thema sehr interessiert waren.

Vorträge

Als erste Vortragende gab uns Primaria Dr.in Ale­xandra Schosser, ärztliche Leiterin des BBRZ-Med, einen Einblick in das sechswöchige ambulan­te Rehaprogramm, das von der PVA, die mit 90% Hauptzuweiserin ist, vorgeschrieben wird. Laut Jahresbericht der Pensionsversicherungsanstalt von 2016 waren 39,7 % der ÖsterreicherInnen we­gen psychischer Erkrankung berufsunfähig, bei den Frauen waren es sogar 54,3%, bei den Männern 33,1%. Nach ICD 10 leiden 66% an affektiven Stö­rungen (F3), 22% an neurotischen Belastungsstö­rungen und somatoforme Störungen (F4) und 5% an Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F6). Waren bei Eröffnung der Reha im Jahre 2010 noch 1/3 der PatientInnen berufstätig, so sind es jetzt nur mehr 1/4. Das zeigt: Die Menschen werden kränker. Da die PatientInnen zu Beginn, nach Ab­schluss und weitere sechs Monate nach Abschluss der Reha einer Testung unterzogen werden, kann nachgewiesen werden, dass durch das Rehapro­gramm eine deutliche Reduktion der Symptome, eine deutliche Verbesserung der seelischen Be­findlichkeit und der Lebensqualität erzielt werden kann. Das zeigt: Reha wirkt. Die Testungen in der Reha zeigen aber auch, dass jene Menschen, die vorzeitig in vorübergehender oder dauernder Be­rufsunfähigkeitspension sind, psychisch am meis­ten belastet sind. Das widerspricht den Aussagen so mancher Politiker, dass die Menschen nicht arbeiten wollen. Es zeigt vielmehr, dass Arbeit eine wichtige und stabilisierende Funktion hat und ein wesentli­cher Beitrag zur Teilnahme am gemeinschaftlichen Leben ist. Anhand dieser Ergebnisse sollten alle politisch Verantwortlichen erkennen können, dass die Arbeitsbedingungen verändert werden müssen und nicht die Menschen, nicht nur aus humanitärer Sicht, sondern auch im volkswirtschaftlichen Inte­resse!

Primar Dr. Fritz Riffer, u.a. ärztlicher Direk­tor von der stationären Rehaeinrichtung Gars am Kamp, berichtete von einer Meta-Analyse über die bisher vorliegenden Evaluationsergebnisse der österreichischen Rehakliniken. 12 Publikationen mit 9 Studien aus 6 verschiedenen österreichischen Rehakliniken mit über 9000 Patientendaten sind in diese Meta-Analyse eingeflossen. Auch hier bestä­tigt sich der Nutzen von Rehakliniken durch eine signifikante Verbesserung von Prä zu Post. Prim. Riffer berichtete weiter über eine Studie in seiner Einrichtung, die bestätigt, dass nur rund die Hälfte der PatientInnen sofort nach der Reha einen Platz für eine weiterführende ambulante Psychotherapie bekommt, die andere Hälfte geht bedauerlicher Weise leer aus. Dies zeigt erneut die Problematik des Nahtstellenmanagements zwischen stationär und ambulant auf, die aus Effizienzgründen drin­gend verbessert werden sollte, um sogenannte "DrehtürpatientInnen" zu vermeiden, die immer wieder in die Klinik kommen. Schließlich kostet ein Rehaaufenthalt rund € 8.000,-, um dieses Geld be­kommt man schon viel Psychotherapie!

Dr. Wolfgang Schimböck, Mitglied des ÖBVP-Präsidiums und Vorsitzender des OÖLP, berichtet über den Wildwuchs an Kollektivverträgen, die es für PsychotherapeutInnen gibt. Da gibt es den SWÖ (ehemals BAGS), den Kollektivvertrag für Privat­krankenanstalten, den Kollektivvertrag für private Kuranstalten und Rehabilitationskliniken, den Kol­lektivvertrag der Caritas, das Entlohnungsschema der NÖ Landeskliniken, um nur einige zu nennen. Und die darin festgeschriebenen Gehälter, Gehaltsstufen und Zulagen sind höchst unterschiedlich, sodass es bei selber Tätigkeit, sel­bem Stundenausmaß und derselben Anzahl von Dienstjahren eine Differenz von bis zu € 1.000,- pro Monat brutto kommen kann. Demnach ist es nicht egal, für wen man arbeitet! Wie kann man diese großen Unterschiede begründen? Außer damit, dass privat geführte Einrichtungen noch schlech­ter bezahlen als öffentliche, obwohl die Gehälter im Sozialbereich ohnehin schon sehr weit unten lie­gen. Es stellt sich auch die Frage, ob es eigentlich so viele verschiedene Kollektivverträge braucht.

Dr. Peter Stippl, Präsident des ÖBVP, startete sei­nen Vortrag mit einem kurzen Video-Beitrag über Burnout aus der ORF-Sendung Eco vom 21.3.2019. Laut diesem Beitrag leiden 8% der Beschäftigten an akutem Burnout, weitere 36% sind gefährdet. Der volkswirtschaftliche Schaden für Burnout kann nur geschätzt werden, beträgt aber vermutlich mehrere Milliarden Euro jährlich und nimmt stän­dig zu. Auch der betriebswirtschaftliche Schaden ist enorm. Wird Burnout früh erkannt, so belaufen sich die Heilungskosten pro Betroffenen auf ca. 2.000,-, bei zeitverzögerter Diagnose bereits bis zu 18.000,-, bei vollständigem Zusammenbruch auf bis zu 106.000,-. Diese Kosten teilen sich auf in Krankenstandskosten von bis zu 64.000,-, bis zu 36.000,- Therapiekosten und bis zu 6.000,-Medi­kamentenkosten. Die Krankenstandsfälle für psy­chische Erkrankungen haben sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt und dauern durchschnittlich 36 Tage, wohingegen die Krankenstandsdauer bei körperlichen Erkrankungen bei durchschnittlich 10 Tagen liegt.
Dr. Stippl zitierte weiter aus dem aktuellen Rech­nungshofbericht vom März 2019. Demnach lagen die Aufwendungen für Invaliditätspensionen und Rehabilitationsgeld für psychische Erkrankungen im Jahr 2016 bei knapp 1 Mrd. Euro. Die Zahl der Krankenstandstage aus psychischen Gründen stieg bei Erwerbstätigen von 2007 bis 2016 um 94 % bzw. rd. 1,80 Mio. Tage, der Mehraufwand für Krankengeld lag bei mind. 35 Mio Euro. Der Rech­nungshofbericht kritisiert in seinem Bericht, dass die Ausgestaltung der Versorgung mit Psychothe­rapie nach wie vor von der gesetzlichen Regelung abweicht, da es immer noch keinen Gesamtver­trag gibt. Er beanstandet weiter die großen Un­terschiede in den Leistungen zwischen den einzel­nen Versicherungsträgern und die Intransparenz.

Prof. Dr. Berhard Rupp, Gesundheitsexperte von der NÖ AK, referierte in bekannt humorvoller Weise und verglich die Position der PsychotherapeutInnen mit der des "Kleinen Ich bin Ich" von Mira Lobe. Das Problem der PsychotherapeutInnen sei seiner Mei­nung nach, dass sie nicht genau wissen, zu wem sie gehören. Sie haben Ähnlichkeiten mit einigen an­deren Berufsgruppen und sind dennoch nicht mit ihnen ident. Es fehle das Alleinstellungsmerkmal, was von Psychologen, Lebens- und Sozialberatern etc. eindeutig unterscheidet. Faktum sei: Der Ge­sundheitsmarkt ist heiß umkämpft und es gibt viel Konkurrenz.

Anschließende Podiumsdiskussion

In der nachmittäglichen Podiumsdiskussion betont Mag.a Barbara Haid (TLP-Vorsitzende) die Wichtig­keit der Vernetzung, welche in Tirol zu einer Ver­besserung der Lage für PsychotherapeutInnen ge­bracht hat. Prim. Dr. Riffer macht das derzeitige Problem in der heterogenen Finanzierung fest, wo­nach schwer kranke Menschen wie heiße Kartoffel rasch weitergereicht werden, anstatt dass alle an einem Strang ziehen. Willi Steinkellner von der vida meint, dass sich die Verantwortlichen die fal­sche Frage stellen. Es heißt immer nur: "Was kön­nen wir uns leisten?" statt "Was braucht der/die Betroffene?" Das heißt, es geht immer nur ums Geld. Prof. Dr. Rupp sieht auch einen Wertewandel: Das bio-psycho-sozial Modell ist nichts (mehr) wert, es geht wieder in Richtung Techniklastigkeit. Für Geräte werden zig-Tausende ausgegeben, das zwischenmenschliche Gespräch scheint wieder an Wert zu verlieren. Außerdem können die Psycho­therapeutInnen keine Produktionssteigerung wie anderen Sparten anbieten, denn ein 50-minütiges Gespräch dauert nach wie vor 50 Minuten und schneller reden scheint auch keinen Sinn zu machen.

Alles in allem war es eine sehr informative und spannende Tagung mit vielen Inputs und Mög­lichkeiten sich auszutauschen. Wir werden un­sere Botschaft weitertragen und unsere Ziele weiterverfolgen. Ich denke, dass wir mit dieser Veranstaltung einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben.

Podiumsdiskussion NÖLP Fachtagung "Gute Arbeit für wenig Geld" am 29.03.2019Gruppenfoto NÖLP Fachtagung "Gute Arbeit für wenig Geld" am 29.03.2019